letztes update: 23. Mai 2013
Wein & Co.

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Weinempfehlungen der Woche (38)

Bordeaux 2011 „White Dry & Sweet“

Für die Weißweine aus dem Süden von Bordeaux, Graves und Sauternes kann die omnipräsente Frage zum Jahr 2011, wie gut oder doch eher mittelmäßig sie sind, eindeutig mit sehr gut beantwortet werden.

Die Wetterbedingungen waren ideal für einen gelungenen Jahrgang, was sowohl für die trockenen Weißen aus Péssac-Léognan gilt als auch für die Süßweine aus Sauternes/ Barsac. Unter den vielen erstklassigen Süßweinen habe ich mich für Château D’Yquem entschieden. Vielleicht passt sich sein Preis ja der allgemeinen Bewegung etwas nach unten an, sodass er doch eine Kaufüberlegung wert ist.

Bei den trockenen Weinen gibt es wenig, was falsch gemacht werden kann – alles bleibt eine Frage des Preises.

Château D’Yquem
Sauternes

Nicht in jedem Jahrgang steht der König der Süßweine in Bordeaux, Château d’Yquem, auf dem Siegertreppchen. Mit dem 2011er ist allerdings wieder ein Wein der Superlative gelungen, der ohne jeden Zweifel als ganz Großer in die Historie der Weinwelt und dieses beeindruckenden Weinguts eingehen wird.

Der Erntebeginn am 17. August zählt mit zu den frühesten Lesezeitpunkten in der Geschichte von Château d’Yquem. Der 5. Oktober, der letzte Tag der Ernte in 2011, war in spät gereiften Jahrgängen wie 1978 nämlich auch schon der Beginn der Weinlese. Wenn wie in diesem Jahr 2011 schon so früh alles stimmt, schmeckt D’Yquem atemberaubend.

Tasting-Notes:
Der opulente, vielschichtige Duft beginnt bei A wie Apfel oder Ananas und endet in seiner Aufzählung bei Z wie Zitrusfrüchte oder Zitronenschale. Blüten und Kräuter, wunderschön. Der Geschmack präsentierte sich sehr frisch mit lebhafter Säure, stoffig und opulent, aber keineswegs schwer. Seidig fließt er über die Zunge die nach mehr, mindestens einem weiteren Schlückchen verlangt. Einfach ein Nektar, heute schon und auch noch in 100 Jahren. Der 200 Jahre ältere Vorgänger (1811) wurde im August letzten Jahres für sage und schreibe 85.000 Euro versteigert. Schau mer mal, was der 2011er kosten wird ...

Château Haut Brion
Péssac-Léognan, blanc

Ein weißer Château Haut Brion ist sicher in seiner Qualität und Rarität einem Montrachet aus Burgund ebenbürtig. Nebenbei gesagt auch im Preis. Wenn er wie dieses Jahr so exzellent in der Qualität ausfällt, ist er in einer engen Auswahl der Besten deshalb unbedingt zu erwähnen.

Tasting-Notes:
Seine Laserstrahlartige Präzision mit gebündelter Säure ist überwältigend. Dazu gesellt sich üppige Fruchtigkeit, mit feinster Aromatik exotischer Früchte und heimischer Beeren wie Cassis und Holunderblüten. Große Komplexität, bestens balanciert – zwar reich im Alkohol, der dennoch gut eingebunden ist. Mit seiner Saftigkeit wirkt dieser Wein sehr animierend zum Trinken.

Kleiner Hinweis: Nicht verwechseln mit dem 2. Wein La Clarte de Haut Brion.

 

Château Domaine de Chevalier
Péssac-Léognan, blanc

Die Weine der Domaine de Chevalier, insbesondere die weißen, genießen einen hohen Ruf, dem sie angesichts der hohen Preise in den vergangenen Jahren nicht immer gerecht wurden. Mit dem jüngsten Jahrgang ist wieder die bekannte, große Klasse zurückgekehrt und rückt das in leichte Schieflage geratene Image wieder zurecht. Châpeau, Olivier Bernard (Inhaber)!

Tasting-Notes:
Trotz der noch sehr verschlossenen Nase lässt das Bukett Mirabelle oder Pfirsich und andere gereifte, gelbe Früchte aufkommen. Auch zarte Honignoten, Anklänge von Kräutern stellen sich vor. Die rassige Säure kommt mit großer Frische ausgereift und rund daher. Der Geschmack ist sehr reich, gehaltvoll mit großer Tiefe und Länge, voller Spannung und Intensität.

Preis: 78,50 Euro (zu beziehen über C&D)

 

Château Smith-Haut Lafitte
Péssac-Léognan, blanc

Die Weine von Smith-Haut Lafitte kenne ich über fünfundzwanzig Jahre und kann mit sicherer Überzeugung feststellen, dass in all den Jahren die Qualität der Weißweine die der Roten weit überragte. Sie war teilweise sogar so gut, dass ich mich gefragt habe, weshalb die Preise in einem so fairen Verhältnis zur Qualität standen. Die Cuvée besteht zu 90 % aus Sauvignon Blanc, 5 % Semillon und 5 % Sauvignon Gris.

Tasting-Notes:
Der Sauvignon Gris scheint dem Wein eine ganz besondere Note zu verleihen. Etwas mehr Schmelz, Üppigkeit und Textur als man vom Sauvignon kennt. Im Duft hat er klare, sehr dezente Sauvignonnoten wie Schwarze Johannisbeere, Holunderblüte, Pfirsich, Basilikum, Tomatenblatt. Im Mund eine herrliche reintönige, gereifte Säure mit einer saftigen, rassigen Art. Eine leicht kühle Note sorgt in Verbindung mit der straffen Struktur für Länge und Nachhall. Viel Trinkvergnügen für ein Jahrzehnt.

Preis: 71,50 Euro (zu beziehen über Kölner Weinkeller)

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