
Kurztrips
Nordlicht
Hoch oben im Norden, wo die Sommer kurz und heiß und die Winter lang und kalt sind, liegt Helsinki. Die finnische Hauptstadt wurde in diesem Jahr zum “World Design Capital” ernannt. Mirkku Kullberg, CEO der Traditions-Möbelmarke Artek, stellt sie SELECTS vor.

Glückwunsch, Frau Kullberg: Helsinki ist jetzt der unangefochtene Design-Hotspot!
Ach, das ist doch viel Gerede. Natürlich vermarktet dieser Titel Helsinki und die Finnen gut. Aber wenn wir ihn nicht mit Leben füllen, bedeutet er nichts. Und Sie müssen wissen: Finnen sind nicht sehr offen. Bestes Beispiel dafür ist die aktuelle Diskussion über ein Guggenheim Museum in Helsinki. Andere Städte würden sofort “Ja!” schreien. Hier wurde erstmal eine Studie dazu gemacht, ob es der Stadt gut tun würde.
Viele Finnen stehen internationalen Architekten, Designern, überhaupt Leuten skeptisch gegenüber. Aber das Paradoxe ist: Genau das macht Finnland so attraktiv!
Wie das?
Finnland und Helsinki haben etwas Unangetastetes. Wir sind, wie wir sind. Voll von Fehlern, aber mit einem eigenen, starken Charakter.
Was macht die finnische Design-DNA aus?
Finnen sind bodenständig und fest im Alltag verankert. Lange ging es dem finnischen Design nur um Grundbedürfnisse. Funktionale Aspekte sind ihm immer noch extrem wichtig. Dazu kommt eine starke Verbundenheit mit der Natur und eine innovative Herangehensweise an neue Technologien.
Was kann ich in Helsinki machen, um diesem Designcode auf der Spur zu sein?
Machen Sie eine Fahrradtour an die Küste. Im Sommer kann man dort Leute dabei beobachten, wie sie ihre Teppiche waschen. Und sehen Sie sich das finnische Archipel an. Urtypisch sind die Sauna-Clubs. In Helsinki selbst müssen Sie unbedingt im Hafen spazierengehen und sich die gigantischen Eisbrecher angucken. Im Viertel Punavuori findet man einen typisch finnischen Laden nach dem nächsten. Besuchen Sie auch Newcomer wie den Architekten Tuomas Toivonen, den Designer Ville Kokkonen oder den Künstler Kari Caven in ihren Ateliers. Und unbedingt Arteks 2nd Cycle Store (unten) – auf 1.200 Quadratmeter werden dort Vintage-Möbel verkauft. Um den Tag abzurunden, sollten Sie einmal in die Musikhalle gehen: Sie ist allein schon architektonisch ein Statement.
Verraten Sie uns noch einen Geheimtipp?
Das Restaurant Seahorse (oben links): Hier dinnieren Musiker und Politiker. Eine sehr eigensinnige Mischung – so wie Helsinki eben ist.
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