letztes update: 19. Mai 2013
Kunst & Kultur

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Erst die Pflicht, dann das Glück

Zum Thronjubiläum ist ein höchst bemerkenswertes Buch über Queen Elisabeth II. erschienen

Seit sechzig Jahren steht sie an der Spitze Englands: Queen Elisabeth II. In seinem Buch beschreibt Thomas Kielinger das Leben der Monarchin. SELECTS stand der Journalist Rede und Anwort.

Sind Sie der Queen je begegnet?
Ich bin ihr bei zwei Staatsbesuchen begegnet, es reichte jedes Mal zum Handschlag: 1992 auf dem Petersberg bei Bonn, 2004 in der Berliner Philharmonie. Ein drittes Mal dann im Sommer 2011 auf einer Garden Party des Buckingham Palace. Keiner dieser Anlässe qualifizierte als „Begegnungen“, die so etwas wie ein Psychogramm der Persönlichkeit erlauben würden. Die Queen gibt übrigens grundsätzlich keine Interviews.

Sie beschreiben ausführlich die gesellschaftlichen und familiären Umstände. Kann man der Queen nur auf diese Weise näher kommen?
Man muss es sogar. Eine Beschreibung dieses Lebens darf nicht unterschlagen, wie verzahnt es ist mit anderen Lebensläufen, in der engeren und der erweiterten Familie, und wie fest es darüber hinaus eingebettet ist in die Zeitgeschichte und deren sich ständig wandelnden Voraussetzungen. Die Queen ist Staatsoberhaupt: Das heißt, Staat und Gesellschaft spielen in dieser Vita eine unübersehbare Rolle. So auch in meinem Buch.

Es scheint, dass sie seit der Abdankung Edward VIII. im Jahre 1936 von der Öffentlichkeit geradezu in die Rolle der späteren Thronfolgerin gedrängt wurde. Glauben Sie, sie hat sich schon als Teenager in diese Rolle hineingekniet?
Ja, dazu trug auch ihre Erziehung nach 1936 bei, als sie Unterricht durch einen Verfassungsexperten erhielt, der sie in alle Fragen der Monarchie und der übrigen Institutionen des Landes einwies. Im Übrigen wurde sie nicht in die Rolle der Thronfolgerin hineingedrängt, vielmehr fiel diese ihr automatisch zu, in dem Moment, als ihr Vater als Georg VI. das Erbe seines zurückgetretenen Bruders antrat und damit Georgs Erstgeborene, die Prinzessin Elizabeth, auf dem Thron folgen würde.

Ihrer Biografie zufolge war Prinzessin Elisabeth nach dem Krieg genau das, was später ihre Schwiegertochter Lady Di war – ein Medienstar, Futter für die Yellow Press.
Man darf nicht vergessen, wie überschattet, teilweise dunkel die Zeit war, in der Europa sich von den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges erholte. Das traf besonders auf die britische Insel zu, wo bis 1954, also bis ein Jahr nach Elizabeths Krönung, Lebensmittel noch zum Teil rationiert waren. England wirkte verkrustet, seine Weltgeltung schwand, große Armut herrschte in städtischen Slums – da kam das Lächeln einer Elizabeth und ihrer jüngeren Schwester Margaret wie ein Geschenk des Himmels, nicht nur für den Boulevard, sondern auch für das Lebensgefühl der Gesellschaft insgesamt und lichtete den Horizont. Eine jugendliche Königin auf dem Thron – das überstrahlte den grauen Alltag.

Dienst an der Monarchie war das oberste Gebot der Queen. Als sie nach dem Tod Lady Di´s erstmals Emotionen zeigte – war das Taktik und galt ausschließlich dem Ansehen der Monarchie oder ist sie Ihrer Ansicht nach damals wirklich über ihren eigenen Schatten gesprungen?
Ich gehe von Letzterem aus. Die Briten hätten sofort durchschaut und hätten es seitdem der Monarchin unentwegt angekreidet, wenn Elizabeth diesen Augenblick der nationalen Erschütterung zum Anlass genommen hätte, etwas Unehrliches, rein Taktisches aufzutischen, um das Ansehen der Monarchie zu retten und persönlich ihren Kopf gleichsam aus der Schlinge zu ziehen. Nein, die TV-Ansprache vom 5. September 1997 war eine tief empfundene Reaktion auf den Tod einer geachteten Figur, um so tiefer, als Elizabeth während langer Jahre ihre Schwiegertochter verkannt hatte. Der Tod öffnete der Queen die Augen.

Thomas Kielinger: Elisabeth II. Das Leben der Queen. C. H. Beck. 15,90 Euro

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