letztes update: 26. November 2014
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Chalkidiki für Insider

Chalkidiki für Insider

Wie eine Hand mit drei Fingern greift sie weit in die Ägäische See hinaus, die Halbinsel Chalkidiki. Kenner zählen diese Region zu den schönsten Gartenlandschaften Griechenlands, die weit mehr als nur schöne Strände hat. Konstantinos und Lena Tornivoukas gehören zu einer alteingesessenen Hoteliersfamilie, die in Thessoloniki neben einem Resort am Meer auch zwei Stadthotels betreibt. Sie kennen die Insel und ihre Sehenswürdigkeiten ganz genau. „Da ist zum Beispiel der Geburtsort von Aristoteles, ein überlebensgroßes Denkmal des berühmten Philosophen in einem Park in Stagira. Vor allem Kinder, aber auch Erwachsene, sind von den dort installierten Spielen begeistert, die Naturgesetze anschaubar machen.“

Durch das Drehen eines Hebels wird Wasser in einer durchsichtigen Röhre in Bewegung gesetzt und die Fliehkraft erzeugt Wirbel, wie auch die Fliehkraft in der Luft Wirbelstürme hervorruft. Und wer die optischen Scheiben in flotte Umdrehungen versetzt, erlebt den Kinoeffekt – Bilder, die im schnellen Ablauf vorbeiziehen, werden vom menschlichen Auge nicht im Einzelnen erfasst. „Andere lohnende Ausflugsziele sind das Küstenstädtchen Ierissos mit Überresten der antiken Stadt Akanthos oder das Archäologische Museum in Poligiros mit den schönsten Ausgrabungsstücken der Chalkidiki“, erzählen die beiden.

„Für viele Urlauber ist Thessaloniki Ausgangspunkt ihrer Reisen durch den Norden Griechenlands. Die meisten zieht es gleich an Sand, Strand und blaues Meer. Dabei lohnt ein Bummel durch die Millionenmetropole mit ihrer wechselvollen Geschichte“, sagt Lena und empfiehlt einen Rundgang durch die Altstadt und das Akropolis-Viertel. Sehenswert ist auch die von den Venezianern erbaute Festungsmauer mit sechs Türmen, von denen der Weiße Turm als Wahrzeichen der Stadt gilt. Zum Stadtbild gehören aber auch moderne Einkaufspassagen und lebendige Fußgängerzonen, die mondän wirkende Hafenpromenade und schöne Villenviertel mit Patrizierhäusern.

Knapp 90 Minuten dauert die Fahrt von Thessaloniki bis zur Chalkidiki mit ihren drei Fingern. Zunächst taucht Kassandra ganz im Westen auf. Mit sanften Hügeln, üppiger Vegetation und Pinienwäldern sowie weiten Sandstränden lockt dieser Arm die meisten Urlauber an. Unbedingt ins Besuchsprogramm gehört ein Ausflug zum Dorf Afitos, das auf einer felsigen Anhöhe liegt. Eine Kirche, historische Häuser und Tavernen säumen den kleinen Dorfplatz. Besonders stimmungsvoll wird es am Abend, denn dann sind die engen, mit Kopfsteinen gepflasterten Gassen wirklich eine Fußgängerzone. Überall laden kleine Tavernen zur Einkehr, und sie bieten landestypische Kost wie frische Anchovis oder gegrillte Sardinen zu vernünftigen Preisen.

Sithonia sei der schönste der drei Finger, sagt der Wirt eines kleinen Restaurants. Benannt nach einem Sohn des Meeresgottes Poseidon, zieht die zerklüftete, wilde Landschaft mit bewaldeten Höhen und Wiesen voller Lavendel und Thymian vor allem Naturliebhaber an. „Sie werden immer wieder auf malerische Fischerdörfer und kleine Häfen treffen. Viele holprige Pisten enden an traumhaften Buchten und verlassenen Stränden. Sithonia ist einfach eine Sinfonie in Blau und Grün“, schwärmt er beim Servieren von Giouvetsi. Das ist Kalbfleisch mit griechischen Reisnudeln, verfeinert mit Nelken, Zimt und etwas Bachari-Gewürz. Frisch aus dem Backofen ist es einfach ein himmlischer Genuss. 

Rund um Sithonia verläuft eine gut ausgebaute Ringstraße, von der sich immer wieder eindrucksvolle Ausblicke auf schöne Buchten und das türkisfarbene Meer ergeben. Unterwegs lohnt sich ein Abstecher zum Karidi Beach – er gehört zu den schönsten in ganz Griechenland.

Gegenüber, auf dem dritten Finger, ragt majestätisch der Berg Athos 2.033 Meter hoch in den Himmel. Schon den Griechen der Antike galt der Athos als geheimnisvoll. Der Legende nach soll der Gigant Enkelados den mächtigen Felsen einst ins Meer geschleudert haben – im Streit mit seinem göttlichen Rivalen auf dem Olymp. Hauptort ist Ouranoupolis, und ganz in der Nähe liegt mit dem Eagles Palace der Familie Tornivoukas eines der schönsten Resorts der Region auf einer kleinen Anhöhe. „Wir wollen unseren Gästen ein authentisches Urlaubserlebnis bieten und organisieren für sie zahlreiche Ausflüge“, sagt Lena. Sie können zum Beispiel das Weingut von Claudia Papayani besuchen oder auf Pilgerschaft gehen und die Mönchsrepublik Athos besuchen. „Wir besorgen die Einreisegenehmigung, allerdings bleibt Frauen der Zutritt gänzlich verwehrt“, erzählt Lena. Zum klösterlichen Menü nach den Rezepten der Mönche, das im Hotelrestaurant angeboten wird, sind aber alle Gäste willkommen. Dazu werden Weine der Region serviert, darunter auch Weine der Mönche.

Die meisten Touristen besteigen am unterhalb des Wachturms des Kreuzritterkastells von Ouranoupolis gelegenen Kais eines der Ausflugsschiffe und schippern – immer auf 500 Meter Distanz – am Ufer der auch als „Garten der Gottesmutter“ genannten Mönchsrepublik entlang. Einige Klöster kleben wie Schwalbennester an den Berghängen, andere thronen eindrucksvoll auf Felskuppen hoch über dem Meer. Rund 2.000 Mönche leben in den rund 20 Großklöstern und halten an ihren langjährigen christlich-orthodoxen Traditionen fest.

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